An die Dozenten

Wer die Nerven nicht hat ist eben nicht geeignet!?

7. November 2019

Nachdem ich in meinem letzten Blog in „Das Semester hat begonnen…“ (10/19) speziell die Studierenden angesprochen habe, möchte ich mich dieses Mal an die Lehrenden wenden:

Wenn Sie an einer Musikhochschule oder Kunsthochschule, an einer Schauspielschule, einem Konservatorium oder an der Universität mit kreativen Studierenden arbeiten, dann vermittelt speziell Ihr Fach Ihnen Einblicke, wo Sie vielleicht erkennen, dass ein zusätzliches Coaching Ihre Arbeit noch viel erfolgreicher werden ließe.

Sie werden im Laufe des Wintersemesters gerade auch Ihre Erstsemestler*innen kennen und einschätzen lernen. Und auch Prüfungssemester lassen mitunter tief blicken:

Wenn ich mich im Folgenden „metaphorisch“ auf die Musik fokussiere, so weise ich darauf hin, dass ALLE ANDEREN KÜNSTE auch gemeint sind!
Hier also jetzt nur beispielhaft für alle anderen Bühnenkünster*innen
die Musikstudent*innen:

Wo hört das instrumentale und fachliche Können auf? Wo beginnt die Psyche? Hier beginnt die Arbeit des Coachs, und zwar OHNE INSTRUMENT.
Lampenfieber (Blackouts, Flatterbogen, Herzrasen) bis hin zu Übeblockaden, aber auch instrumentenspezifische Schmerzen haben ihre Ursache in der Psyche. Und wenn manche dann geneigt sind zu sagen:

„Wer die Nerven nicht hat, ist auch nicht geeignet für den Job“,
dann sage ich:
„NEIN! Falsch! Gebt ihnen eine Chance!“

Es braucht die Lust am Auftritt, für die die Persönlichkeit so entwickelt sein muss, dass das eigene Können selbstbewusst und überlegen dargeboten werden kann.
Und das lässt sich verstärken oder sogar wecken.

Außerdem wird im Laufe des Studiums eine Entscheidungsfindung immer wichtiger:

„Du musst dir überlegen, was du willst“

ist zwar wahr, ist aber auch extrem schwierig:
Orchester, Solo, Kammermusik oder doch Schwerpunkt Pädagogik?

Auch hier greifen  Coachingtechniken OHNE  inhaltliches Eingreifen.

Oder:

„Wie kann ich mich optimal mental auf Wettbewerbe vorbereiten?“

Und last not least:

„Wie gehe ich eigentlich mit meinen persönlichen Misserfolgen um?“
Ein Leben als Musiker*in ohne Carnegie-Hall- Debüt?
Keine Hauptrolle an der Met in Sicht?

Vielleicht haben Sie Studierende in Ihrer Klasse, Ihrem Seminar, die auffällig introvertiert und dabei extrem ehrgeizig sind, wie der Klavierstudent in dem Ende August angelaufenen Film „Prélude“?

Von der Deutschen Film – und Medienbewertung erhielt der Film das Prädikat „Besonders wertvoll“ mit folgender Begründung:
„Prélude leistet einen starken Beitrag zum Zustand unserer Leistungsgesellschaft, die nicht nur, aber vor allem jungen Menschen mit einem enormen Druck belastet,“

Dieser enorme Druck lässt sich enorm reduzieren.
Mehr dazu in meinem Blog „Du stehst unter Druck?“ (05/19).